Natürlich werden die Handy Poweruser mit Windows Mobiles, iPhones, Blackberrys, Googlephones und ähnlichen Dingen in der Tasche jetzt gleich aufschreien und stolz vermelden, dass doch jedes halbwegs gepimpte aktuelle Handy mit Skype, Facebook und dem Web 2.0 redet. Und damit haben sie im Prinzip recht…
ABER…
Ist das alles für den Wald-und-Wiesen Benutzer vorinstalliert und vorkonfiguriert und vor allem wie groß ist das Loch in der Geldbörse oder muss man quasi lebenslang einem Anbieter die Treue schwören um das Loch kleiner zu halten?
Der Hintergrund
Drei geht hier schon seit einiger Zeit andere Wege als die klassischen Mobilfunker und ist davon abgekommen, den Leuten Minuten zu verkaufen. Stattdessen sieht man hier das Handy als mobile Datenverbindung und verbannt Dienste wie Skype nicht aus seinem Netz. Im Gegenteil, man bewirbt es sogar aktiv und macht es leichter als jeder andere diese Dienste zu nutzen.
Und genau in diese Schiene passt auch die neue Strategie von Hutchinson (die “Mama” der Mobilfunkmarke Drei) mit der neuen Tochterfirma INQ. Hier versucht man günstige Geräte für den Massenmarkt zu produzieren, die dem aktuellen Trend der Zeit folgen sollen. Nach dem Erfolg des Skypephones, das noch mit dem chinesischen Partner Amoi entwickelt wurde, ist INQ nun eine komplette Eigenproduktion.
Dafür ist man nicht auf einen der Züge Windows Mobile oder Google Android aufgesprungen, sondern hat wohl aus Kostengründen sein eigenes kleines Betriebssystem entwickelt. INQ1 ist das erste Gerät aus dieser Ideenwerkstatt, Nachschub soll im Laufe des Jahres folgen.
Ich habe mir das Gerät also pünktlich am 31. Dezember aus dem Three Store meines Vertrauens abgeholt. Immerhin wurde das Versprechen eingelöst, dass das Gerät “noch 2008” lieferbar ist. Nach 3 Wochen Dauereinsatz wird es also Zeit für einen Testbericht aus erster Hand…
Der erste Eindruck
Zuerst fällt mal auf, dass der Gerät eigentlich zu billig ist. Kein Scherz. Für nicht einmal £90 (ca 100€) für die Wertkartenvariante oder null komma nix mit jedem auch noch so kleinen Vertrag (ab 6 Monate) wechselt die würfelförmige Box den Besitzer. Und der erste Gedanke ist natürlich: “Kann ein 100 Euro Gerät überhaupt gut sein?” – Das Resümee tendiert klar zu JA.
Hardware
Das Slider Handy ausgepackt fällt gleich mal die solide und gute Verarbeitung auf. Ungewöhnlich für ein Low-End-Gerät. Die Oberfläche ist aus gebürstetem Metall und man muss nur noch das rot-gelbe Augenschmerzen hervorrufende Hintergrundbild wechseln und man hat den dezenten Businesslook realisiert.
Der Slider öffnet sich angenehm und einfach mit dem Daumen, die Tasten sind selbst für meine nicht gerade zarten Finger groß genug und drücken sich auch angenehm.
Social Networks
Derzeit integrierte Dienste:
Google Maps, Mail, Search, YouTube
Das eigentliche Highlight vom INQ1 ist die perfekte Integration mit einigen Social Network Diensten. Und hier handelt es sich nicht ob ein einfaches öffnen der mobile Facebook oder Gmail Webseite, sondern direkt Integration in die Software des Gerätes selbst. Mit je einem Tastendruck dem sogenannten “Switcher” – erinnert etwas an die Taskleiste von Mac OS X – kann man direkt Skype, Facebook und Messenger öffnen. Die Kontaktdaten dieser Dienste werden auch direkt mit dem Telefonbuch synchronisiert. Wenn man also Kontakte öffnet, sieht man erst wie praktisch Web 2.0 sein kann – Man sieht den aktuellen Onlinestatus eines Kontaktes in Messenger, Skype und Facebook und die bei diesen Diensten hinterlegten Daten wie Emailadressen und Telefonnummern in Echtzeit. Zusätzlich kann man natürlich noch diverse Informationen selbst hinzufügen. Auf diese Weise bleiben die Kontaktinformationen aller Kontakte von selbst aktuell und man kann dirket aus dem Kontakt heraus Verbindung über diverse Dienste herstellen. Email, SMS, Facebook Nachricht, Skype Chat, Skype Call, Messenger Chat. Ah ja, einen nromalen Anruf kann man auch tätigen, aber wer will das schon?
Auch Last.fm lebt auf dem INQ1. Es lassen sich die persönlichen Last.fm Sender direkt über Internet streamen und auch die Musik vom Media Player wird auf last.fm mitgescrobbelt. Für Video Streaming ist YouTube in den Media Player integriert.
Einge werden jetzt ihre soziale Plattform wie Twitter, MySpace oder wie sie alle heißen vermissen. Einige davon lassen sich über Java nachinstallieren, einige werden wohl außen vor bleiben. Hier hat man sich auf die am stärksten genutzten Plattformen konzentriert, INQ sagt es werden Softwareupdates nachkommen, mal sehen.
Web 2.0
Das Internet schleicht sich schon direkt auf dem Home-Screen ein. Hier kann man je nach Belieben sogenannte Widgets einblenden:
Hier sieht man ein Beispiel der Taskleiste und den Widgets “World Clock” und “Yahoo! Weather”. Weitere derzeit verfügbare Widgets sind RSS Feeds direkt auf dem Homescreen (damit man immer weiß was es im Trendblog neues gibt) und Google Search. Weitere werden folgen und sind dann direkt über das Handymenü downloadbar. Über die “World Clock” (wie auch über das Weather Widget) lassen sich übrigens bis zu 5 Städte verwalten und einfach mit den Links und Rechts Tasten wechseln. Praktisch wenn man viel unterwegs ist, man muss nicht immer die Uhr des Telefons umstellen.
Voice over IP
Im Prinzip verschwimmt hier komplett die Grenze zwischen Handy und Internet. Man ist einfach immer online und dank Datenflatrate und gratis Roaming in allen “3 Like Home”-Ländern (Österreich, UK, Irland, Italien, …) fällt erstmal gar nicht auf, dass das Handy kein WLAN hat. Zuerst war ich noch etwas skeptisch, aber ich wurde positiv überrasch. 30 Minuten Skype Anrufe ohne wesentlich Probleme und so gut oder schlecht verständlich wie Skype am PC auch ist. Nach einiger Zeit vergisst man, dass man gerade über Skype telefoniert. Auch SkypeOut ist aktiviert und integriert, somit kann man auch mit Skype Credits mit der ganzen Welt zu halbwegs vernünftigen Preisen direkt über das Handy telefonieren. Drei dürfte es hier nicht stören dass man über diesen Weg keine Sprachminuten mehr verrechnen kann, mich stört es auch nicht ;). Für £15 pro Monat ist Skpye, Messenger, Facebook und all die anderen netten Internet Features auf dem Handy bereits inkludiert, was willst du mehr? Etwa das doppelte für eine iPhone Flatrate zahlen? Sicher nicht
Leider lässt sich über den Live Messenger der Sprachdienst nicht nutzen. Microsoft hat diese Technologie derzeit noch aufgrund von Verträgen mit Mobilfunkbetreibern aus seinem IM Client verbannt. Ich hoffe schon seit langem, dass sich das mal ändert, mal sehen.
Email kann über die “Email on 3” Applikation senden und empfangen. Hier sind einige Provider wie Google Mail, Yahoo Mail oder Windows Live Mail direkt integriert und ohne Konfiguration (außer Emailadresse und Passwort natürlich) einrichtbar. Es lässt sich auch jeder anderen POP oder IMAP Provider einrichten. Ein Highlight hier ist, dass man auch an die Exchange User gedacht hat und auch direkt Synchronisation mit Exchange Server möglich ist (siehe auch den Trendblog Artikel über mobiles Exchange). Leider betrifft das derzeit nur Emails, aber Sychronisation von Kontakten und Kalender sollen folgen, ich bin gespannt.
Web 1.0
Ein kleiner Schwachpunkt ist der integrierte Webbrowser. Er basiert auf der Open Source Engine Webkit (auf der übrigens auch Google Chrome läuft). Er läuft stabli und gut, einzig die Navigation mit einem kleinen Mauspfeil, den man über das D-Pad bewegen muss, gestaltet sich manchmal etwas mühsam. Als Pluspunkt zählt hier die automatische Erkennung von RSS Feeds. Diese werden zuerst im Browser dargestellt und danach kann man sie mit einem Tastendruck abonnieren und mit einem weiteren Tastendruck als Widget auf den Home Screen zaubern.
INQ1 und der PC
Was eigentlich wirklich schon bei jedem Handy Standard ist, sei hier nur kurz angeschnitten.
Sobald man das Handy mit USB mit dem PC verbindet, kann man auf dem Handy den Betriebsmodus für den PC wählen. Der Standard ist hier USB Modem.
USB Modem
Die entsprechenden Treiber installieren sich automatisch und man kann über das Handy auch am PC Internet surfen. Somit hat man gleich eine alternative zum mobilen Internet USB Dongle. Die Verbindung läuft mit HSPDA ausreichend schnell. Bis zu 3.6Mbit werden versprochen. Über das 3 Netzwerk konnte ich für mobiles Breitband beeindruckende 2.1Mbit selbst messen. Das Modem ist auch über Bluetooth ansprechbar, ich habe es oft unterwegs dafür benutzt (und zahle immer noch nicht mehr als die £15 Grundgebühr
)
Mass Storage
Was Windows Mobile oder iPhone Besitzer manchmal schmerzlich vermissen gibt es hier auf Knofdruck. Das Handy bietet eine direkte Schnittstelle als Cardreader zur internen Speicherkarte. Über den Mass Storage Betrieb lassen sich auch Musik und Videos automatisch mit dem Windows Media Player synchronisieren. Zusammen mit meinem Motorola Bluetooth Kopfhörer also der ideale Reisebegleiter. Der Media Player ist auch direkt mit Last.fm verbunden. Es lassen sich die persönlichen Last.fm Sender direkt über Internet streamen und auch die Musik vom Media Player wird auf last.fm mitgescrobbelt.
PC Sync
Angeblich gibt es mit dem Sync vom INQ1 direkt mit Outlook noch kleinere Probleme. Nachdem ich mein Konto aber über Exchange betreibe (und das super funktioniert), konnte ich das noch nicht testen.
Fazit
Über den INQ1 Simulator sieht man die Funktionen in Action. (siehe Link unten)
Die Batterie hält bei meiner exzessiven Benutzung von Facebook, Media Player mit Bluetooth Headset, Email, Internet und Skype 2-3 Tage. Ist absolut ausreichend, vor allem nachdem das Handy zum Laden den USB Stecker benutzt und somit Energie jederzeit unterwegs reingepumpt werden kann.
Mit dem INQ1 ist Hutchinson ein echter Knüller unter den Low Budget Handys gelungen. Die Verkaufzahlen in UK bestätigen das. Ein kleiner Wermutstropfen ist wohl, dass das Gerät derzeit noch nicht den Weg nach Österreich gefunden hat, aber ein paar Kleinigkeiten im Menü (mit Sprachauswahl in Deutsch und vorkonfiguriertem Datendienst für 3 in Österreich) lassen vermuten, dass es zumindest irgendwann geplant ist.
Nachdem es eine Eigenproduktion von Hutchinson ist, ist wohl auch nicht anzunehmen dass es das Handy auf anderen Netzwerken als in der 3-Familie geben wird. Aber der Trend geht in ganz Europa klar in die Richtung, dass sich Provider über die erhältlichen Geräte und Services von der Konkurrenz distanzieren wollen (siehe auch T-Mobile G1 oder Apples iPhone Strategie), denn die Tarife sind es eigentlich nicht mehr, die einem zwischen dem einen oder dem anderen Provider entscheiden lassen.
Links zum Thema
INQ Simulator (empfehlenswert!)
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