Die Siedler - was bisher geschah

Für Siedler-Fans war die Geschichte des Spiels bis zum jetzigen 6ten Teil der Serie durchaus durchwachsen. Ich war schon seit dem allerersten Teil (damals auf Amiga) dabei und bin seit damals vom völlig neuen Spielprinzip, das “Die Siedler” damals aufbrachte, noch immer begeistert.

Die Siedler 1 Von Teil 1 

Die Siedler 2 über Teil 2 

Die Siedler 3 und Teil 3

Die Siedler 4 zu Teil 4

und dann direkt zu Teil 6 ;)

Bei “Die Siedler” ging es nie so sehr um das Aufbauen einer Armee und Kampftaktiken wie aus anderen Echtzeitstrategiespielen bekannt (Age of Empires, Command & Conquer, Warcraft, Rise of Nations,…), sondern immer schon mehr darum eine Stadt mit florierender Wirtschaft aufzubauen und dadurch dem Gegner überlegen zu sein. Soldaten kamen zwar auch immer schon vor, spielten aber eine sehr untergeordnete Rolle.
Viel wichtiger war immer, dass die Bauernhöfe, Minen, Handwerker,… gut funktionieren. Diese Wirtschaftsketten waren zwar immer schon komplex, aber sehr gut umgesetzt und vor allem der unverwechselbare Wusel-Stil verleitete immer schon dazu einfach mal 5 Minuten nur zuzusehen wie die Männer arbeiten und mal erst gar nicht zu klicken ;) Teil 5 habe ich daher in der oberen Aufzählung bewusst ausgelassen, da bei “Die Siedler 5″ mit all diesen traditionellen Werten unserer kleinen Freunde gebrochen wurde. Blue Byte wurde von Ubisoft übernommen und “Die Siedler 5″ war das Ergebnis dessen. In der Siedler Community herrschte blankes Entsetzen. Aus “Die Siedler” wurde ein stinknormales Strategiespiel und nicht mal das war gut. Hier konnte man sich gegen übermäßige Konkurrenz wie Age of Empires oder Empire Earth nie behaupten. Aus diesem Grund werde ich hier auch Siedler 6 eher mit den ersten 4 Teilen als mit dem Fünften vergleichen.
Ubisoft schoss dann “Die Siedler II - Die nächste Generation” nach, um die alten Siedler Fans zurückzugewinnen. Hierbei wurde das alte Siedler 2 in die heutige Zeit transportiert indem am Spiel selbst nichts geändert wurde, sondern nur die Grafik auf den heutigen Stand gebracht und an der Steuerung ein bisschen gefeilt wurde. Das kann man durchaus als Erfolg sehen, da somit auch auf den aktuellen PCs die alte Wuselstimmung aufkommt und auch die aktuelle Retro-Welle am Computerspielesektor damit gut erwischt wurde.

Aufstieg eines Königreichs - Das beste Siedler aller Zeiten?

Die Siedler 6 - DVD CoverJetzt brachte Ubisoft mit Aufstieg eines Königreichs den nunmehr 6ten Titel der Reihe auf den Markt und man bewirbt es schlichtweg mit dem Slogan: “Das beste Siedler aller Zeiten”. Angesichts der Bauchlandung mit “Die Siedler 5″ eine gewagte Ansage, aber als alter Siedler Fan gehe ich vorurteilsfrei an die Sache heran und lasse das Spiel mal auf meinem Laptop wandern.

Nach der Installation erfreuen mich zu allererst die guten Einstellmöglichkeiten der Grafik. Hier wurde auf die aktuellen Trends Rücksicht genommen, und man kann zwischen sehr vielen Auflösungen wählen und sogar den gewünschten Formfaktor (4:3, 16:9, 16:10, 14:10) einstellen. So ist sichergestellt, dass das Bild auf den aktuellen Displays nicht verzerrt wird. Nachdem mein Laptop einen 16:10 Bildschirm hat, ist das auf jeden Fall ein tolles Feature. Ich habe aufgrund meiner Laptop-Grafikkarte die sonstigen grafischen Einstellungen relativ weit unten konfiguriert, aber die Grafik sieht trotzdem nett aus. Mit einer aktuellen Desktop-Grafikkarte kommt man vor allem bei Nahaufnahmen sicher auf die Qualität der Screenshots heran.

Aber technisches Firlefanz hat einen Siedler Spieler noch nie interessiert und so starte ich gleich einmal die erste Mission der Kampagne um zu sehen was mich wirklich erwartet.

Die Wirtschaft

Auf jeden Fall wurde bei diesem Teil wieder eindeutig mehr Augenmerk auf die Wirtschaft gelegt, so wie man es von den ersten Teilen gewöhnt war. Allerdings wurde diese auch in ihren Grundeigenschaften verändert. Die Träger und Bauarbeiter aus den vergangenen Teilen sind mittlerweile arbeitslos. Die Bäcker, Weber, Bauern und Minenarbeiter bauen sich ihr Haus selbst. Sie holen sich auch ihre Rohstoffe selbst und bringen ihre Produkte auch selbst zum Lager. Außerdem wurde das gesamte Wirtschaftssystem auf ein zweitstufiges System reduziert und dadurch ist es weit weniger komplex als früher. Es funktiert jetzt prinzipiell so, dass es einen Betrieb gibt der Rohstoffe abbaut. Der Arbeiter bringt dann seinen Rohstoff ins Lagerhaus. Dort wird der Rohstoff von einem Handwerker abgeholt und zu einem Endprodukt verarbeitet. Dieses Endprodukt holen sich die Siedler im Haus des Handwerkers direkt ab.

Die Siedler haben um arbeiten zu können immer Bedarf an Nahrung, Kleidung, Unterhaltung und Sauberkeit. Für jede Gruppe gibt es unterschiedliche Wege den Bedarf zu decken. Es spielt allerdings keine Rolle welche Nahrung man hat, solange welche vorhanden ist. Die Präferenz für bestimmte Nahrung wie früher bei den Minen vorhanden gibt es zum Beispiel nicht mehr.

Nahrung

  • Fischerhütte (Fisch) –> Räucherei (Geräucherter Fisch)
  • Jagdhütte (Wild) –> Fleischerei (Wurst)
  • Kuhfarm (Milch) –> Käserei (Käse)
  • Bauernhof (Getreide) –> Bäckerei (Brot)

Kleidung

  • Jagdhütte (Wild) –> Gerberei (Lederhemd)
  • Schafzucht (Wolle) –> Weberei (Wollhemd) 

Unterhaltung

  • Imker (Honig) –> Taverne (Met)
  • Brunnen (Wasser) –> Badehaus (Unterhaltung)

Sauberkeit 

  • Holzfäller (Holz) –> Besenmacher (Besen)
  • Jagdhütte (Wild) –> Seifenmacher (Seife)

Diese zweistufige Struktur hat man durch die gesamte Wirtschaft durchgezogen. Dadurch gibt es keine Mühle mehr, der Bäcker verarbeitet jetzt das Geteide direkt, es gibt für das Holz kein Sägewerk mehr, sondern die Baumstämme die der Holzfäller liefert werden direkt zum Bauen oder für die Produktion von Waren verwendet.
Außerdem wurde komplett auf die Werkzeugschmiede verzichtet. Die Siedler wandern einfach fixfertig aus dem Lagerhaus heraus sobald man ein entsprechenden Gebäude baut.
Das macht den Einstieg für Neulinge zwar leichter, nimmt dem Spiel aber viel vom Spaß vergangener Tage, das komplexe Wirtschaftssystem mit den vielen involvierten Gebäuden und Möglichkeiten geografisch möglichst optimal umzusetzen.

Sehr aufpassen muss man, dass man die Gebäude nahe am Lagerhaus platziert und diese möglichst mit Steinstraßen verbindet. Die Waren wandern nämlich nicht mehr direkt zwischen den Gebäuden hin und her sondern gehen immer den Weg über das Lagerhaus. Der Bauer bringt zum Beispiel sein Korn ins Lagerhaus, von dort holt es sich der Bäcker dann ab. Das Brot wird in der Bäckerei selbst gelagert (jeweils maximal 9 Stück pro Gebäude) und von dort von den Siedlern abgeholt. Es zahlt sich also überhaupt nicht aus wenn der Bäcker direkt neben dem Bauernhof steht. Das ist vor allem auf großen Karten sehr nervig, da somit vor allem aus weit entfernten Gebieten die Rohstoffe stundenlang herumgetragen werden.

Das Militär

Natrülich braucht man Soldaten um seine Siedlung zu verteidigen oder auch mal eine andere Siedlung einzunehmen. Allerdings wurde die Bedeutung des Militärs in diesem Teil wieder erheblich reduziert. Es gibt nur 3 Einheitentypen: Schwertkämpfer, Bogenschütze und Belagerungswaffen.
Auf die verschiedenen Minen (Gold, Eisen, Kohle) zur Produktion wurde komplett verzichtet. Auch hier gilt das zweistufige Wirtschaftsprinzip. Es gibt jetzt nur mehr die Eisenmine, diese liefert Eisen direkt an die Schwert- oder Bogenschmiede, diese liefert Schwert/Bogen an die Kaserne. Man nehme ein Schwert und ein wenig Gold und bekomme einen Trupp Soldaten.
Bei den Soldaten gibt es auch kein Aufstiegssystem mehr. Früher konnte man Soldaten mit Goldmünzen aufwerten, später geschah das durch Kampferfahrung. Diesmal entscheidet der Ruf der Stadt über die Stärke der Soldaten. Den Ruf kann man durch kurze Handelswege, hohe Verfügbarkeit von Waren, niedrige Steuern, Volksfeste,… beeinflussen. Je besser der Ruf, desto stärker der Soldat.

Die Helden

Die Siedler 6 - HakimGleich am Start wird man mit der ersten Neuerung des Spiels konfrontiert: den Helden. Diese gab es schon im fünften Teil, allerdings sind sie jetzt etwas abgewandelt worden. Am Beginn hat man 2 Helden zur Verfügung (Marcus und Alandra), danach kommen je nach Mission neue Helden dazu. Diese haben jeweils eine aktive und eine passive Eigenschaft, die den Spielverlauf beeinflussen können. Leider erfährt man vor der Mission nicht genug um immer die optimale Wahl treffen zu können, während der Mission habe ich mich schon hin und wieder geärgert nicht jemand Anderen gewählt zu haben. Aber schaffbar ist auf jeden Fall jede Mission mit jedem Helden.

Die Missionen

Die erste Mission kann man eigentlich gar nicht als solche bezeichnen. Das ist eigentlich nur ein Tutorial wo man die Steuerung und die grundsätzlichen Wirtschaftsabläufe kennenlernt. Diese war sehr schnell durchgespielt. Leider hat sich dieses Prinzip bis zur 7ten Mission gezogen. In jeder Mission bekommt man bestimmte Aufgaben gestellt, die man lösen muss. Hin und wieder hat man dabei auch ein Zeitlimit. Die Missionen haben bei mir je zwischen 90 Minuten und 2 Stunden gedauert. Das aber nicht, weil sie so schwer waren, sondern weil man für manche Aufgaben einfach mehr Zeit braucht. Es kann zum Beispiel ein wenig dauern 50 Steine oder 18 Lederhemden zu produzieren. Aber ich musste leider feststellen, dass erst die 8te Mission eine Herausforderung war. Das war auch die erste Mission, die ich nicht auf Anhieb ohne Probleme geschafft habe. Ich habe vielleicht aus der Erfahrung aus anderen Spielen und auch aus Multiplayer heraus bereits in den ersten Missionen meine Stadt zu stark verteidigt, überall Mauern und Türme gebaut und an strategischen Punkten Soldaten plaziert. Das war aber absolut übertrieben. Es reicht wenn man sich an den Aufgaben der Mission orientiert. Alle Angriffe des Gegners werden rechtzeitig angekündigt und fallen sehr milde aus…

Ich hoffe, dass der Rest der 16 Mission wieder schwieriger wird, da sonst doch recht bald Langeweile aufkommt. 7 Missionen quasi als Tutorial zu spielen und dabei 10 Stunden zu sitzen ist für alte Genrehasen sicher zu langwierig. Allerdings kann man so sicher neue Spieler gewinnen, da man sehr gut auf den Aufbau des Spiels hingeführt wird.

Tipp: Bis Mission 7 an den Aufgaben orientieren, nicht so viel nebenbei bauen (vor allem keine Verteidigung ;) ). Mission 8 wird dann etwas schwieriger, aber wenn man die dritte Aufgabe (Fische) einfach ignoriert und sich auf die anderen 3 Aufgaben konzentriert, dann ist das auch recht leicht zu schaffen. Außerdem kann man bei den einzelnen Aufgaben bis 1 Minute vor Ablauf der Zeit warten bevor man seinen Karren losschickt, dann hat man nebenbei noch genug Zeit seine Siedlung weiter aufzubauen. Vorauseilendes Gehorsam bringt hier gar nichts, dadurch werden nur die nächsten Aufgaben schwieriger, weil die Siedlung mitunter noch zu klein ist.

Ich glaube das wahre Spielgefühl kommt auch erst bei Multiplayer auf. Ich kann es mir durchaus reizvoll vorstellen zu viert 2 gegen 2 zu spielen. Da kann man dann handeln, kämpfen und siedeln siedeln siedeln…

Fazit

Ubisoft ist auf jeden Fall ein nettes, kurzweiliges Spiel gelungen. Es ist recht leicht zu erlernen und macht auf jeden Fall Spaß. Es zahlt sich auch aus sich die ausführlichen Berichte in Ubisoft TV zu Siedler 6 anzuschauen (http://ubitv.de.ubi.com/index.php?listsort=3&games_id=4). Vor allem die Ubisoft TV Show Siedler Sondersendung ist ansehenswert, hier wird das Spiel ganz ausführlich vorgestellt.

Siedlerfans der ersten Stunde seien allerdings vorgewarnt, das ganz spezielle “Siedlerfeeling” kommt diesmal leider nicht auf. Schade ist auch, dass auf die spezifischen Völkerunterschiede verzichtet wurde. (Wikinger, Römer, Mayas)

Es gibt auch bereits einen Patch (Version 1.1) auf der Ubisoft Seite. Allerdings habe ich den noch nicht installiert. Mir sind während des Spielens eigenltlich keine Bugs aufgefallen und durch das Update auf Version 1.1 ist dann plötzlich eine Online-Aktivierung á la Windows XP nötig.

Plus
Nett animiertes und kurzweiliges Strategiespiel, wirtschaftslastig, weitgehend bugfrei, günstiger Preis (40€)

Minus
Missionen bisher zu leicht, Wirtschaftssystem weniger komplex als früher, keine Völkerunterschiede, Straßen- und Mauernbau teilweise nervig

(Erhältlich bei Amazon)


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geschrieben von daniel in: Games, Gametest, Software, Ubisoft |
  • Athene
    Kommentar | 13. Februar 2008

    Hey, wie hast du es geschafft, überhaupt ein BIld auf deinen Laptop zu kriegen, wo das Spiel mit den Laptop-Grafikkarten doch gar nicht kompatibel ist?

  • Daniel
    Kommentar | 25. Februar 2008

    Hallo Athene,
    naja, in der Spielbeschreibung steht das zwar, aber ich habe nichts davon bemerkt ;) Ich glaube das geben sie zur Sicherheit an, weil es Laptops teilweise recht exotische Grafikkarten gibt und sie das nicht überall testen wollen. Ich würde aber mal sagen, wenn der Laptop eine nVidia oder ATI Grafikkarte hat, dann werden wohl 99% der Spiele auch funktionieren, nur wenn es irgendeine exotische Onboard-Variante ist kann es durchaus zu Problemen kommen.

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